Nachhaltig Anlegen mit findependent

Wie nachhaltig sind wir und sollen wir noch werden?

Wie in vielen anderen Bereichen ist «nachhaltig» auch beim Anlegen nicht genau definiert. Ab wann eine Geldanlage als nachhaltig gilt oder wie man am besten auf Nachhaltigkeit beim Geldanlegen achtet, ist keine schwarz-weisse Angelegenheit – im Gegenteil, es geht mehr in Richtung «Fifty Shades of Green».

Das Thema wird aktuell heiss diskutiert und beschäftigt von privaten und institutionellen Anlegerinnen, über Banken und Vermögensverwalter sowie NGOs und Klimabewegungen, bis hin zu Regierungen. Und es beschäftigt seit Beginn auch uns bei findependent. In diesem Artikel geben wir dir deshalb einen Einblick darin, wie findependent zu nachhaltigem Anlegen steht und in welche Richtung wir gehen wollen. Doch eins nach dem anderen.

Wie geht nachhaltig Geld anlegen ĂĽberhaupt?

Der Schweizer Verband für nachhaltiges Investieren Swiss Sustainable Investment (SSF) sieht «nachhaltige Investitionen» als einen Sammelbegriff für «jeden Investitionsansatz, der ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG) in die Auswahl und Verwaltung von Investitionen integriert», definiert nachhaltig also sehr breit. Es gibt diverse Ansätze wie nachhaltiges Anlagen umgesetzt wird. Einerseits kann man auf verschiedene Weisen entscheiden, in was man überhaupt anlegen will und in was nicht. Anderseits gibt es auch die Möglichkeit, in den Dialog mit Unternehmen zu treten, in die man investiert ist und dort etwas für die Nachhaltigkeit zu bewirken. (Swiss Sustainable Investment Market Study 2021)

Grob kann man auch von drei unterschiedlichen Hauptmotivationen fĂĽr nachhaltiges Anlegen sprechen:

  • Ausrichtung an Werten
  • Verbesserung des Rendite-Risiko-Verhältnisses
  • Erzielen von positiver Wirkung in der echten Welt

Bei ersterem geht es grundsätzlich darum, in Unternehmen zu investieren, die mit den eigenen Werten übereinstimmen. Beispielsweise will man verhindern, dass man sich mit dem eigenen Geld an Unternehmen beteiligt, die sehr klimaschädlich handeln. Oder man findet es nicht vertretbar, Dividenden von einer Firma zu bekommen, die Teile für umstrittene Waffen herstellen.

Neben diesen ethischen Bedenken kann die finanzielle Absicherung auch Motivation für nachhaltiges Anlagen sein. Hierbei geht man davon aus, dass Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, schlechtere Zukunftsaussichten haben. Denn um dem Klimawandel entgegenzuwirken, muss der CO2-Preis früher oder später steigen, sprich, Unternehmen müssen pro emittierte Tonne CO2 mehr bezahlen. Das schmälert den Gewinn von klimaschädlichen Unternehmen, was sich schliesslich auf die Rendite der Anleger:innen auswirkt, welche diese Unternehmen in ihrer Anlagelösung haben. Und um genau dieses Risiko zu schmälern, kann es sinnvoll sein, Investitionen in Unternehmen mit grossem CO2-Fussabdruck zu verringern oder gar ganz zu vermeiden.

Durch nachhaltiges Anlegen effektiv eine positive Wirkung («Impact») in der Welt zu erzielen, ist schliesslich das komplexeste Vorhaben. Denn echter Impact findet nur dann statt, wenn es einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Geldanlage und einer realen Veränderung gibt. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass man mit dem Handel von Aktien oder anderen Wertpapieren (man spricht hier vom «sekundären Markt») keinen direkten Einfluss bspw. aufs Klima hat. Denn wer genau das Wertpapier hält, macht grundsätzlich keinen Unterschied in der realen Welt, schliesslich verursachen Wertschriften selbst keine Emissionen. Es sind dagegen die Unternehmen und Staaten, die umweltfreundlicher wirtschaften und bspw. ihren CO2-Ausstoss verringern müssen, um etwas zu bewirken.

Obwohl Geldanlagen an der Börse also nicht direkt dazu führen, dass man damit bspw. eine gewisse Anzahl Tonnen CO2 einspart oder Abfall vermeidet, gibt es leider einige Produkte, die genau dies suggerieren. In einem spannenden Fall nahm die deutsche Dekabank im Frühjahr 2021 ihren irreführenden «Impact-Rechner» wieder vom Netz, nachdem sie von einer Verbraucherschutz-Organisation wegen Greenwashings angeklagt wurde. (nzz.ch)

Es ist aber schon möglich, durch Anlegen Einfluss auszuüben. Man spricht von «Investor Impact», wenn es Anleger:innen gelingt, einen Wandel in Unternehmen zu bewirken, welche wiederum mit ihren nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen positiven Impact auf die reale Welt haben.

Eine Möglichkeit dazu ist, solchen Unternehmen zu Wachstum zu verhelfen, indem man ihnen Kapital zur Verfügung stellt. Dies ist gerade für junge und kleine Firmen wichtig, um ihre nachhaltigen Lösungen skalieren zu können. Dazu beteiligt man sich ausserhalb der Börse an ihnen (man spricht hier vom «primären Markt»), bspw. durch Venture Capital oder anderen Formen von Private Equity oder man erleichtert ihnen den Zugang zu Krediten. Doch für Anleger:innen, welche keine grossen Vermögen besitzen, steht diese Möglichkeit nicht wirklich offen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, v.a. bei grösseren Unternehmen, welche noch nicht nachhaltig sind, aber grosses Potential dazu hätten, die Transformation zur Nachhaltigkeit zu beschleunigen. Aktionär:innen können sich bspw. durch das Stimmen an der Aktionärsversammlung für Nachhaltigkeit engagieren.

Weil Anlegen mit echtem und messbaren Impact in der Praxis für gewöhnliche Anleger:innen so schwierig umzusetzen ist, könnte man plakativ ausgedrückt sagen: Die Welt mit Anlegen zu retten, geht nicht. Sie zu retten, in dem wir einfach nicht mehr anlegen, geht aber auch nicht.
Und an dieser Stelle wollen wir uns vor Augen führen, was die Alternative wäre, nämlich das Geld auf dem Bankkonto zu bunkern. Doch gebunkert wird es da ja eben nicht wirklich. Sondern die Bank macht damit ihre Geschäfte. Credit Suisse und UBS vergeben mit dem Geld ihrer Kund:innen gerne mal umstrittene Kredite, bspw. an Fracking-Firmen, die Erdöl fördern und dabei schädliche Gase in die Luft lassen. Ein spannender Dokumentationsfilm dazu gibt es von SRF Dok. Das Gute ist, dass auch sie immer wie mehr den Druck von der Öffentlichkeit und der Politik zu spüren bekommen und bspw. fürs Kohlegeschäft unterdessen Richtlinien erlassen haben. Auch bei Inlandbanken ist die Kreditvergabe weniger problematisch.

〉 Im Marktbericht von SFF findest du nebst einem super Überblick über die verschiedenen Arten von nachhaltigem Anlegen viele aktuelle Statistiken zum Schweizer Markt, Informationen zu regulatorischen Entwicklungen, Trendvorhersagen sowie ein spannendes Interview zum Thema «Investor Impact» (in Englisch).

Wie misst man Nachhaltigkeit beim Geld anlegen?

Da Nachhaltigkeit auch im Bereich des Anlegens keine einheitliche Definition hat, ist deren Messung umso schwieriger. Einen Anhaltspunkt bieten ESG-Ratings, wobei auch hier nicht standardisiert ist, wie Anbieter ihre ESG-Ratings erstellen. Alle haben eigene Herangehensweisen an die Daten und Methoden fĂĽr die Analysen.

ESG-Kriterien

«ESG» steht für «Environmental» (Umwelt), «Social» (Gesellschaft/Soziales) und «Governance» (Unternehmensführung). Diese drei Säulen bilden die Basis, auf der nachhaltige Anlagen eingestuft werden können.

MSCI, der Herausgeber der Indizes, welche von unseren eingesetzten ETFs abgebildet werden, gibt Unternehmen wie folgt ein ESG-Rating. MSCI erfasst die Geschäftsaktivitäten, die Unternehmensgrösse sowie die Standorte der Tätigkeiten eines Unternehmens und analysiert, inwiefern sie spezifischen ESG-Risiken ihrer Branche ausgesetzt sind und wie sie diese managen. Dabei wird verglichen, wie sie gegenüber anderen Unternehmen ihrer Industrie abschneiden. Dazu erhalten sie ein Rating von «CCC» (Nachzügler) bis «AAA» (Spitzenreiter).

ESG-Rating von MSCI fĂĽr Unternehmen

MSCI hat insgesamt 35 ESG-Risiken definiert. Jene aus dem Bereich der Unternehmensführung werden für alle Unternehmen angewendet. Bei den Bereichen Umwelt und Gesellschaft dagegen wird ein Unternehmen jeweils nur in jenen ESG-Risiken bewertet, welche für die Branche überhaupt relevant sind. Während beispielsweise «Wassermangel» für Kohleunternehmen ein bedeutendes Risiko darstellt, ist es für ein Pharmaunternehmen nicht von genügend Relevanz.

Schauen wir uns nun an, wie das ESG-Rating für einen ganzen ETF funktioniert. Auch dort vergibt MSCI für jeden ETF ein ESG-Rating von «CCC» bis «AAA». Das Rating für die ETFs ergibt sich aus der gewichteten Durchschnittsnote der Bestände (bspw. aller Unternehmen, die in einem Aktien-ETF enthalten sind). Zusätzlich wird geschaut, ob sich das Rating der Bestände eher verbessert oder verschlechtert hat und wie viele Bestände mit dem schlechtesten ESG-Rating «B» und «CCC» enthalten sind und der ETF damit extremen Risiken ausgesetzt ist.

〉 Übersicht über alle 35 ESG-Risiken von MSCI. Inklusive Beispiel der Getränkeindustrie mit Unternehmen wie Coca Cola (in Englisch)

〉 Suchtool von MSCI für Unternehmen. Zeigt das ESG-Rating, die Verteilung innerhalb der Branche und viele weitere Details (in Englisch)

〉 Suchtool von MSCI für Fonds. Zeigt das ESG-Rating, die Verteilung dessen Bestände und viele weitere Details (in Englisch)

findependent & nachhaltig Geld anlegen – unser aktueller Ansatz

Wir bei findependent haben uns dazu entschlossen, die Finger von gewissen Industrien zu lassen – Industrien, die aus Sicht der Nachhaltigkeit einfach zu kritisch sind. Dazu verwenden wir für all unsere Aktienanlagen ausserhalb der Schweiz nur sogenannte «ESG Screened ETFs». Alle Unternehmen dieser ETFs halten sich an den Globalen Pakt der UNO. Zudem werden anhand von klar definierten und messbaren Kriterien Unternehmen aus folgenden Branchen ausgeschlossen:

  • Atomkraft
  • Kohlenkraft, Kohleabbau
  • Ă–l-Sand-Abbau
  • Tabakindustrie
  • Nukleare, umstrittene (z.B. Streumunition) und zivile Waffen

Uns geht es also nicht darum, Impact gemäss oben stehender Definition zu erzielen, denn wie erwähnt ist dies in der Praxis äusserst schwierig und für Kleinsparer:innen eigentlich nicht zugänglich. Unsere Mission ist es jedoch, Anlegen gerade auch Leuten ohne Riesenvermögen zu ermöglichen. Uns geht es allerdings darum, die gewählten Anlagen durch das Screening an gewissen ESG-Werten auszurichten, damit wir als findependent auch aus sozialer und ökologischer Sicht dahinter stehen können. Die eingesetzten ESG Screened ETFs sind auch nicht teurer als ihre nicht-gescreenten Pendants und damit ein einfacher, transparenter Weg zu mehr Nachhaltigkeit bei gleich hohen Kosten. Für uns war deshalb auch von Anfang an klar, dass wir nicht etwa zwischen einer «Standard» und einer «nachhaltigen» Anlagestrategie unterscheiden, sondern dass «nachhaltig» unser Standard wird. Gleichzeitig können wir mit dem gewählten Ansatz aktuell nur ESG Screened ETFs für ausländische Aktienanlagen anbieten – von den gewählten Schweizer Aktien-ETFs sind zur Zeit noch keine ESG-Screened-Varianten auf dem Markt, welche genügend etabliert sind. (Sprich, die Handelsvolumen sind noch relativ klein, was erstens das Risiko birgt, dass der ETF wieder vom Markt genommen wird und zweitens auch höhere Handelsspreads, also Kosten bedeutet.) Sobald sich dies ändert, werden wir auch für Schweizer Aktien einen ESG Screened ETF in unseren Anlagelösungen einsetzen.

〉 Mehr über die ESG Screened Indizes von MSCI erfahren (in Englisch)

〉 Mehr über den Globalen Pakt der UNO erfahren

〉 Zu unseren Anlagelösungen

〉 Zu den Factsheets unserer Anlagelösungen

findependent & nachhaltig Geld anlegen – was die Zukunft bringen könnte

Nebst den ESG Screened ETFs gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten, nach nachhaltigen Werten ausgerichtet anzulegen. Und auch wir bei findependent wollen unsere Anlagelösungen in diese Richtung weiterentwickeln, denn uns ist wichtig, dass Kund:innen mit einem höheren Bedürfnis nach Nachhaltigkeit eine passende Anlagelösung bei uns finden. Dazu können wir einerseits andere ETFs einsetzen und/oder eine CO2-Kompensation bei findependent integrieren. Ein paar Möglichkeiten haben wir bereits ausgearbeitet, welche wir im Folgenden vorstellen.

SRI ETFs

Die Abkürzung «SRI» steht für «Socially Responsible Investing», also sozial verantwortliches Anlegen. SRI ETFs sind ähnlich wie ESG Screened ETFs, gehen aber noch einen Schritt weiter. Für diese ETFs werden die Unternehmen wie folgt selektioniert:

  • Wertbasierter Ausschluss (bspw. Waffen, Tabak, Alkohol, GlĂĽcksspiel)
  • Umweltbasierter Ausschluss (bspw. Kohleabbau & -kraftwerke, Ă–l-Sand, Fracking)
  • Top 25% aus jedem Sektor mit bestem ESG-Rating
  • Bei manchen ETF-Anbietern zusätzlich: Ausschluss der 10% CO2-emissonsreichsten Unternehmen

Das heisst, nebst dem kategorischen Ausschliessen von gewissen Branchen wird zusätzlich in jedem Sektor ein «Best-in-Class»-Ansatz angewendet und nur die 25% Unternehmen mit dem besten ESG-Rating schaffen es in den ETF. Die Methode der SRI ETFs ist insgesamt also sehr umfassend. Dennoch enthalten sie Unternehmen, die medial umstritten sind wie bspw. Nestlé. Auch entsteht durch das relativ starke Filtern ein gewisses Risiko, dass die Rendite etwas vom «normalen» ETF-Pendant abweicht (aufgrund von höherem Tracking-Error und Turnover), wobei beide langfristig jedoch sehr ähnlich performen sollten. SRI ETFs sind gut etabliert und auch für Schweizer Aktien gibt es bereits einen SRI ETF. Des Weiteren sind die Produktkosten (TER) von SRI ETFs etwas höher als jene von ESG Screened ETFs.

〉 Mehr über SRI Indizes von MSCI erfahren (in Englisch)

Paris Aligned ETFs

Der Name «Paris Aligned» nimmt Bezug auf das Pariser Klimaabkommen. Darin ist das Ziel festgelegt, die durchschnittliche globale Erwärmung auf 1,5°C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Auf dieses Ziel sind die Paris Aligned ETFs ausgerichtet. Sie selektionieren Unternehmen wie folgt:

  • Leichter, wertebasierter Ausschluss (Tabak, umstrittene Waffen)
  • Umweltbasierter Ausschluss (bspw. Kohleabbau & -kraftwerke, Ă–l-Sand, Fracking, Unternehmen mit mehr als 10% des Umsatzes mit Ă–l und Gas)

In einem zweiten Schritt werden die so selektionierten Unternehmen im ETF unterschiedlich gewichtet. Es wird mehr in Unternehmen mit unterdurchschnittlichen CO2-Emissionen angelegt, die ihre CO2-Emissionen publizieren, CO2-Reduktionsziele definiert haben und ihre CO2-Intensität über die letzten drei Jahren um mindestens 7% reduziert haben. In Unternehmen, welche diese Kriterien nicht erfüllen, wird entsprechend weniger angelegt.

Durch diesen Mechanismus hat man am Schluss einen ETF, in dem die Unternehmen so gewichtet sind, dass sie zusammen für eine Reduktion ihrer gesamten CO2-Emissionen von jährlich 10% sorgen. Im Vergleich mit ihren «normalen» ETF-Pendants sind die Unternehmen in Paris Aligned ETFs ausserdem so gewichtet, dass sie insgesamt um 50% tiefere CO2-Emissionen haben.

Die Paris Aligned ETFs haben einen starken Klima-Fokus. Dagegen werden nur wenig wertbasierte Ausschlüsse angewendet, womit auch Unternehmen aus den Bereichen zivile Waffen, Atomkraft oder Alkohol enthalten sind. Durch das relativ komplizierte Selektionsverfahren inkl. Gewichtung enthält ein Paris Aligned ETF insgesamt etwa 50% der Unternehmen eines «normalen» ETFs. Dadurch hat man auch nur einen mittleren Tracking-Error und Turnover. Ein Nachteil der Paris Aligned ETFs ist, dass sie relativ neu und somit noch nicht etabliert sind. Das heisst, die Handelsspreads sind noch etwas hoch und es gibt potentielles Risiko, dass die ETFs wieder vom Markt genommen werden. Wir müssten also noch warten, bis wir sie bei findependent anbieten würden. Ausserdem ist zurzeit noch kein Paris Aligned ETF in Sicht, der den Schweizer Aktienmarkt abdeckt. Kostentechnisch bewegen sie sich zwischen den günstigeren ESG Screened ETFs und den teureren SRI ETFs.

〉 Mehr über Paris Aligned Indizes von MSCI erfahren (in Englisch)


In der folgenden Tabelle haben wir die vorgestellten Möglichkeiten für nachhaltige Anlagelösungen nochmals zusammengefasst.

Nachhaltige ETFs im Vergleich

Wie wir gesehen haben, ist eine Gemeinsamkeit, dass bei allen Varianten die Hauptmotivation das Ausrichten an persönlichen Werten ist. Möglichkeiten, bei denen es hauptsächlich um die Verbesserung des Risiko-Rendite-Verhältnisses geht, gibt es auch. Ein Konzept, welches das finanzielle Risiko von steigenden CO2-Preisen für Anleger:innen konsequent eliminiert, hat das Schweizer Unternehmen Finreon entwickelt. Dazu verwenden sie ein Hedge-Portfolio, das dafür zuständig ist, die erwähnten Risiken abzufangen. Daneben ist man aber weiterhin in allen Unternehmen angelegt. Weil das Ganze relativ komplex ist und für uns diese Lösung aktuell nicht in Frage kommt, gehen wir hier nicht weiter darauf ein. Spannend ist sie aber allemal und wer sich gerne damit befassen möchte, kann sonst mal auf Finreons Webseite oder in diesem NZZ-Artikel vorbeischauen.

CO2-Kompensation

Immer wie häufiger sieht man, dass Unternehmen für ihre Kund:innen beim Kauf oder bei der Nutzung des Produkts CO2 kompensieren, indem sie Bäume pflanzen lassen. Beispielsweise lancierte Neon letzten Sommer das Neon-Green-Konto, mit dem einerseits monatlich pauschal Bäume gepflanzt werden und anderseits pro CHF 100, die man mit der Neon-Green-Karte ausgibt, ein weiterer Baum dazukommt, um den Konsum zu kompensieren. Oder vielen von uns bekannt, das junge Mode-Label Nikin aus Lenzburg, das pro verkauftem Kleidungsstück einen Baum pflanzen lässt und dafür den Kund:innen auf Wunsch sogar ein Baum-Zertifikat ausstellt.

Das Gute am Bäumepflanzen: Es wird effektiv CO2 aus der Atmosphäre entfernt (also das Pflanzen an sich noch nicht, aber wir gehen jetzt mal davon aus, dass die Bäume auch älter werden). Ein Anlageprodukt, bei dem auch noch Bäume gepflanzt werden, wäre also eine Möglichkeit um echten Impact aufs Klima zu haben. Entweder abhängig von der Nutzung (bspw. pro Einzahlung in die Anlagelösung oder mit steigender Anlagesumme) oder dann pauschal für alle Kund:innen gleich. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Ganze einfach zu verstehen und die CO2-Kompensation zudem greifbar ist – man kann sich etwas darunter vorstellen, wenn für einen Bäume gepflanzt werden.

Doch was haben Bäumepflanzen und Anlegen überhaupt miteinander zu tun? Während man bei Nikin durch das Bäumepflanzen CO2 für das T-Shirt, das für einen produziert und nach Hause geliefert oder durch das Neon-Green-Kärtli allgemein seinen Konsum kompensiert, kann dasselbe Prinzip nicht einfach so auf Anlegen angewendet werden, weil es nicht direkt etwas zu kompensieren gibt. Wie weiter oben beschrieben ist Anlagen kaufen oder verkaufen per se ja nicht klimaschädlich, doch Bäume zu pflanzen – insbesondere pro Einzahlung oder mit steigender Anlagesumme – würde genau dies suggerieren.

Eine weitere Herausforderung wäre zu definieren, wie viel CO2 kompensiert werden soll. Eine Option, die sich anbietet, wäre den durchschnittlichen CO2-Verbauch der Schweizer:innen als Mass zu nehmen und diesen jedes Jahr pauschal zu kompensieren oder dann auf eine geschätzte Anzahl Einzahlungen herunterzubrechen. Der grosse Nachteil davon wäre unserer Meinung nach, dass man so nicht den eigenen, wirklichen CO2-Fussabdruck kompensiert, was nicht wirklich befriedigend sein kann. Im Fall des deutschen Fintech-Startups Tomorrow wurde das pauschale CO2-Kompensieren von den Medien sogar als Marketingmasche angeprangert. (businessinsider.de)

Weil die Verbindung zum Produkt fehlt, wäre findependent fürs Bäumepflanzen einfach «Mittelmann», denn unsere Kund:innen könnten ihren CO2-Fussabdruck ja auch ohne uns kompensieren. Via findependent wäre es für einen zwar bequemer und wohl auch günstiger, wenn man es hingegen selbst macht, setzt man sich auch mehr damit auseinander und geht mehr auf seinen individuellen CO2-Fussabdruck ein.

CO2-«Kompensation» mit findependent – Argumente dafür und dagegen im Überblick

Eins steht also fest: Das Thema Nachhaltigkeit beim Anlegen ist komplex. Sich deswegen einfach nicht damit auseinanderzusetzen, wäre jedoch die falsche Antwort. Mit findependent wollen wir Verantwortung übernehmen, unsere Haltung zur Nachhaltigkeit transparent kommunizieren und unser Produkt in dieser Hinsicht weiterentwickeln.

Wichtig für uns ist, dabei den Puls von (potentiellen) Anleger:innen zu fühlen und findependent stets an euren Bedürfnissen auszurichten. Ist dir Nachhaltigkeit bei findependent wichtig (oder eben gerade nicht) und möchtest du uns gerne deine Meinung dazu mitteilen?

Dann wĂĽrden wir uns sehr darĂĽber freuen, wenn du unsere Umfrage ausfĂĽllen oder dich via hallo@findependent.ch meldest wĂĽrdest. Die Umfrage dauert ca. 5 Minuten und ist anonym.

Wir sind gespannt!